SPZ Tagebuch in Krisenzeiten
Norbert Fröhndrich
Geschäftsführer · Einrichtungsleiter

 

Tel. 0 33 81.764 101
Fax 0 33 81.764 646
E-Mail email@spz-brb.de

 

Anton-Saefkow-Allee 1
14772 Brandenburg a. d. Havel
 

Das SPZ Tagebuch in schwierigen Zeiten.

Seit Jahren schon setzt sich das SPZ für bessere Bedingungen in der Altenpflege ein. Mit dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse rund um die Corona-Pandemie verschärft sich die Lage einerseits für die Pflegebedürftigen, andererseits für die in der Pflege Tätigen. Aufgrund dieser Situation möchten wir uns als SPZ Gehör verschaffen und haben damit begonnen, die Ereignisse dieser besonderen Zeit, für alle nachzulesen, in einer Art "Tagebuch" niederzuschreiben.

Sonntag, 24. Mai 2020 - War`s das? Wie weiter mit der Pflege?

War`s das? Wie weiter mit der Pflege?

Wir erleben es täglich – in unseren Alltag kehrt Stück für Stück das gewohnte und vertraute Leben zurück. Dieser Prozess der Normalisierung wird begleitet von dem Prinzip Hoffnung. Hoffnung darauf, dass keine zweite Welle der Corona Pandemie eintritt und wir keine Ausbrüche in Pflege-, Behinderten-  oder sonstigen Einrichtungen erleben müssen. Hoffnung, dass sich nach der Krise unser Denken und Handeln in Bezug auf den Schutz der Natur, den Verbrauch von Ressourcen, der Begrenzung der Erderwärmung und den Klimaschutz nachhaltig verändert. Und schließlich die Hoffnung, dass die Menschheit insgesamt und jeder Einzelne über die Vernunft verfügt und die Kraft aufbringt, dass wir nicht zu unseren gewohnten Verhaltensweisen zurückkehren, sondern bewusster leben, das schätzen, was wir haben und was uns umgibt und wir uns – den Menschen – als Teil und nicht als Krone der Schöpfung begreifen. Ob es gelingt? Ich bin dafür, diese einmalige Chance, die uns durch Corona unverhofft eröffnet wurde, zu ergreifen. Und was für die Gesellschaft als Ganzes gilt, das sollten wir auch für die Pflege versuchen! Ganz im Sinne von Mutter Courage in Brandenburg: „Wer nicht kämpft, der hat schon verloren!“ (Regine Hildebrandt)

Wie wird es nach der Corona Krise mit der Pflege im Allgemeinen und der Altenpflege im Besonderen weitergehen? Ist unsere Hoffnung auf einen Paradigmenwechsel, auf einen Neustart in der Pflege berechtigt? Die Ausgangsbedingungen scheinen nicht die schlechtesten zu sein. Denn das, was sich durch die Corona Krise für die Altenpflege bzw. für die Pflege verändert oder getan hat, das ist nicht unerheblich!

  • Es war sehr ungewöhnlich für die Pflege, dass sie nicht durch Krisen- oder Skandalmeldungen ins öffentliche Rampenlicht rückte, sondern mit ihrer Kompetenz und Professionalität. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in dieser sehr schwierigen Situation sofort in der Lage sicher und lösungsorientiert zu handeln. Dafür erhielten sie gesellschaftlich eine hohe Anerkennung und Wertschätzung.
  • Zum ersten Mal seit ihrer „Existenz“ im Jahr 1995 wurde die Altenpflege von der Öffentlichkeit und von den politisch Verantwortlichen als systemrelevant wahrgenommen und auch so charakterisiert.
  • Es gibt ernstgemeinte Anzeichen dafür, dass es kein „weiter so“ von den politisch Handelnden bezüglich der langwierigen Umsetzung der bereits seit Jahren vorliegenden Erkenntnisse zu den notwendigen Veränderungen in der Pflege mehr geben kann. So hat z. B. der Pflegebeauftragte der Bundesregierung festgestellt, dass „jetzt“ über das bisher besprochene und in der konzertierten Aktion festgehaltene hinausgegangen werden muss. Sein 5-Punkte Programm „Mehr PflegeKRAFT 2.0“ ist ein Aufruf vor allem an die Politik, dass den wertschätzenden Worten in der Corona Krise endlich Taten folgen müssen.
  • Der Pflegebonus kommt und er kommt nicht mit den angekündigten 500 €, sondern die Politik hat sich auf mindestens 1.000 € festgelegt. Das ist ein sehr gutes Zeichen!
  • Sogar bei den Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege scheint die Erkenntnis Fuß zu fassen, dass der Pflegebereich in der Zukunft eine andere Wichtung in ihrer eigenen Tätigkeit erhalten muss, wenn sich hier nachhaltig, spürbar und kurzfristig etwas ändern soll und die Spitzenverbände ihre Akzeptanz nicht verlieren wollen.

Die Corona Krise hat zweifellos zu einem neuartigen Bewusstsein zur Bedeutung und Wertigkeit der Pflege in unserem Land und zu der Dringlichkeit notwendiger Veränderungen geführt. Das war vor Corona in dieser Intensität und Schnelligkeit kaum zu erhoffen und noch weniger zu erwarten gewesen. Der Anfang ist also getan; ganz im Sinne des Sprichwortes: Der Anfang ist kein Meisterstück, doch guter Anfang halbes Glück! Sehen wir also zu, wie wir von dem „halben Glück“ zu einem vor allem für die pflegebedürftigen Menschen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege guten Ende kommen! Nach 25 Jahren Pflegeversicherung sollte es nun endlich gelingen.

Doch ist nicht zu unterschätzen, welcher Anstrengungen es bedarf. Dieser Prozess wird nicht im Selbstlauf, ohne ein permanentes Drängen, ohne aktives Engagement und ohne kompetentes Dranbleiben zu den gewünschten Veränderungen führen.

Denn es gibt natürlich – wie immer – Beteiligte an dem Prozess, die über ein großes Beharrungsmoment verfügen, die warnend die finanzielle Keule schwingen, die erneut mehrjährige Modellphasen als notwendig begründen und weniger Lösungen als vielmehr Probleme in den Vordergrund rücken. Und sie werden das alte Deutungsmuster der Pflege als einen streng zu reglementierenden und zu kontrollierenden Bereich sehr schnell wieder hervorkramen.

Was ist also zu tun und welches sind die Handlungsschritte und Maßnahmen?

Ich maße mir nicht an, diese Frage umfassend und erschöpfend zu beantworten. Die Kompetenz und Fähigkeit dafür liegt nicht bei einer Person, sondern bei vielen engagierten Menschen, die in den verschiedensten Funktionen und in den unterschiedlichen Bereichen in oder für die Pflege tätig sind. Denn jeder hat aus seinen Erfahrungen heraus und mit seiner Blickrichtung eine sehr spezifische Antwort auf diese Frage. Lassen wir doch diese selbst zu Wort kommen. Das heißt, diesem Tagebuch wird ab dem nächsten Eintrag eine andere Funktion zuteil. Nicht ich bzw. die von mir freundlichst gebetenen Professoren schreiben dieses Tagebuch weiter, sondern diejenigen,

  • die sich täglich mit großer Empathie um die pflegebedürftigen Menschen kümmern,
  • die in ihrer politischen Verantwortung der Pflege einen größeren Stellenwert zuerkennen wollen,
  • die in den Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen oftmals zwischen den Stühlen sitzen,
  • die in den Pflegekassen einem schwierigen Abwägungsprozess unterliegen,
  • die bei den Leistungserbringerverbänden Prioritäten setzen müssen,
  • die zu den erkenntnisfördernden Professionen zählen und
  • die im Pflegesystem ausharren und Veränderungen herbeisehnen.

Kann es gelingen, dieses Tagebuch zu einer interaktiven Austauschplattform zu entwickeln? Das liegt nun in der Hand der Leser dieses 15. Tagebucheintrages!

Bitte teilen Sie diesen 15. Tagebucheintrag so oft wie möglich. Ich hoffe, es wird aus den verschiedenen Bereichen und Institutionen Menschen geben, die sich trauen. Denn zu sagen haben „Sie“ garantiert etwas. Bitte wenden Sie sich mit Ihrem Beitrag an folgende Adresse: email@spz-brb.de

Veröffentlichungen sind anonym oder mit Namensangabe möglich. Trauen Sie sich – die Pflege hat es verdient. Und dies unter der Überschrift:

Was sollte getan werden, damit sich die Pflege im Allgemeinen und die Altenpflege im Besonderen in unserem Land zu einem bedarfsorientierten, mitarbeiterfördernden, wertschätzenden und natürlich systemrelevanten Fürsorge- und individuellen Selbstbestimmungsbereich entwickelt?

Doch es wird Menschen geben, die schreckt diese sehr komplexe Fragestellung ab. Ich stimme darin mit Ihnen absolut überein. Deshalb formuliere ich diese Frage um: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pflege? Oder: Was sollte in der Pflege verändert werden?

Ich bin gespannt und freue mich auf Ihre Beteiligung. Und ich bedanke mich schon an dieser Stelle bei Ihnen, dass Sie mir bisher Ihre Aufmerksamkeit und Zeit für mein Tagebuch geschenkt haben. Bleiben Sie alle schön gesund!

Ihr Norbert Fröhndrich

Sonntag, 17. Mai 2020 - Der Blick aus der Zukunft auf Corona oder was uns Corona lehrte?

Eine Zeitreise in die Zukunft - Altenpflege im Jahr 2030

Wie wird die Coronakrise die Altenpflege in den kommenden Jahren verändern? Mit dieser Frage beschäftigt sich Frau Prof. Dr. Tewes im heutigen Tagebucheintrag. 

Rückblickend auf die Coronakrise vor 10 Jahren ist für die Altenpflege viel passiert. Die meisten Mitarbeiter in der Altenpflege hatten ein hohes Maß an Unsicherheit erlebt. Es war keine Schutzkleidung vorhanden und wurde auf Anfrage an die Ämter gar nicht oder sehr zögerlich geliefert. Obwohl die Altenpflege mit der am höchsten gefährdeten Klientel arbeitete, erhielten sie in den Medien wenig Beachtung (Panknin, 2020). Immer wieder forderten Geschäftsführer von Altenpflegeheimen Schutzkleidung und Atemmasken, die nicht kamen. Letztlich ließ sich der Ausbruch des COVID-19 Virus in einigen Heimen nicht vermeiden und es kam zu Todesfällen. In den betroffenen Heimen war oft auch das Personal infiziert, was ja klar ist, wenn diese ohne Schutzkleidung arbeiten müssen.

Zu dem Zeitpunkt hätten viele Heime dringend Hilfe von außen benötigt. Doch statt Unterstützung anzubieten drohten einige Landkreise, wie beispielsweise Potsdam-Mittelmark, mit zusätzlichen Kontrollen in Heimen, da diese angeblich fehlende Hygiene walten ließen. Hierfür wurden sogenannte Gesundheitsaufseher in die Heime entsandt, um vor Ort zu kontrollieren, ohne dabei die dringend benötigte Schutzkleidung mitzubringen.

Die Enttäuschung darüber verwandelte sich in der Altenpflege in Wut. Von einer jungen Altenpflegerin wurde hierzu eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der sich Kollegen aussprechen konnten. Die vielen Erfahrungsberichte aus ihrem beruflichen Alltag erlangte traurige Berühmtheit und wurde in den sozialen Medien regelrecht gehypt. Einige Berühmtheiten aus Film-und Fernsehen wie Iris Berben, Jan Josef Liefers oder Hardy Krüger wurden darauf aufmerksam und machten sich stark für die Altenpflege. So bekam die Altenpflege eine Stimme und wurde gehört. Später trainierten einige Schauspieler die Altenpflegekräfte in Bühnenpräsenz. Das ging damals groß durch die Presse.

Diese Stimme tat der Altenpflege gut. Sie schlossen sich zusammen und stellten fest, dass sie oft nicht wirklich von ihren Arbeitgebern und Wohlfahrtsverbänden unterstützt wurden. Nach einigen Debatten entschieden sie, sich nicht länger als kleine Schwester der Pflege zu betrachten und solidarisierten sich mit den Pflegefachkräften aus den Kliniken und der ambulanten Pflege. Die gemeinsame politische Stärke ließ Pflegekammern in allen Bundesländern wie Pilze aus dem Boden schießen.

Mit der Corona-Krise brach eine nie dagewesene Technik-Welle über’s Land herein, die der Pflege nützte. Plötzlich war sie systemrelevant. Viele andere Berufe sind mittlerweile verschwunden, da diese durch Blockchains, Telemotoring und Roboter ersetzt werden konnten. Dazu zählt der gesamte Verwaltungsapparat, Straßenbau, Fließbandarbeit, Baubranche...

Da sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege schnell auf die neue Technik einstellten, konnten Sie viele Dinge schnell implementieren und integrieren. So werden mittlerweile in den Kliniken unterschiedliche humanoide Roboter als Kollegen betrachtet, wie der Visitenroboter Terapio oder der Lagerungsroboter Robear. In der Altenpflege werden Gefährtenroboter ganz selbstverständlich eingesetzt, um die alten Menschen zu unterhalten, mit ihnen Gymnastik zu machen oder Rätsel zu lösen. Die anfängliche Skepsis löste sich schnell auf, als erste Pflegeforschungen die Vorteile von Robotereinsätzen nachweisen konnten, wie z.B. eine schmerzsenkende Wirkung und eine Reduktion von Depressionen im Alter (Pu et al, 2020).

Technik, die zunächst für den Reha-Bereich entwickelt wurde, fand schnell Einzug in die Altenpflege.

Eine ganze Reihe unterschiedlicher Sensoren wurden im Rahmen des MoreCare Projekts untersucht, mit dem Ziel die aktivierende Pflege in der ambulanten Versorgung zu verbessern. Die Sensoren befanden sich eingenäht in Kleidungsstücken, in Bildern an der Wand, Umgebungssensoren, Licht- und Tonsensoren, Tablet, Handy und Smartwatch. Alle Geräte sind dabei intelligent vernetzt und feedbacken die Bewegung des Patienten. Bei diesem ambulanten Reha-Projekt im ländlichen Bereich wurden sämtlichen Beteiligten (Logopäden, Physiotherapeuten, Pflegefachkräfte, Ärzte etc.) berufsgruppenspezifische Zugriffe auf das System freigeschaltet, sodass relevante Informationen in Echtzeit abgerufen werden konnten. Die teilweise automatische Dokumentation wird dabei als besonders entlastend erlebt. Die eingesetzte Technik wurde während des Projektes laufend überprüft, verbessert und den Alltagsbedingungen eines Reha-Patienten angepasst (Ruß et al, 2019).

Dass sich bekannte Filmschauspieler für die Altenpflege stark machten, gab diesem politisch oft vernachlässigten Bereich eine Aufmerksamkeit, die den Altenpflegern zu mehr Selbstbewusstsein verhalf. Erstmals gelang ein internationaler Blick über den Tellerrand, der dazu führte, dass die gesamte Pflege in Kliniken, der Altenpflege und dem ambulanten Sektor sich zusammentaten und sich gemeinsam für eine Primärqualifikation mit Bachelorabschluss einsetzten.

Es entwickelten sich Studiengänge mit dem Schwerpunkt auf „IT im Gesundheitswesen“, was interessierte Studenten anlockte. Hier hatten sie die Technik, die sie liebten und mit der sie aufgewachsen waren und gleichzeitig eine sinnvolle Tätigkeit.

Die Pflege konnte ihren Stellenwert ausbauen. Die Empathiefähigkeit der Pflege hat ganz wesentlich dazu beigetragen ihre Systemrelevanz zu behalten. Ihre beruflichen Kompetenzen, mitsamt ihrer besonderen Fähigkeit zuerst den Anderen im Blick zu haben, werden mehr denn je gebraucht und finden mittlerweile gesellschaftliche und politische Anerkennung.

Prof. Dr. Renate Tewes

Quellenverweis:

Pu, Lihui; Moyle, Wendy; Jones, Cindy (2019) How people with dementia perceive a therapeutic robot called PARO in relation to their pain and mood: A qualitative study. Journal of Clinical Nursing

https://doi.org/10.1111/jocn.15104

Ruß, Aaron; Schumacher, Kinga; Reithinger, Norbert (2019) MoreCare: Gemeinsam Pflegen in der Mobilen Rehabilitation : das Pflegeassistenzsystem MoreCare, Abschlussbericht : Laufzeit des Vorhabens: 01.01.2016 - 31.12.2018, Berlin: Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. https://doi.org/10.2314/GBV:1067512195

Donnerstag, 14. Mai 2020 - Was macht die Pflege so besonders und einzigartig?

Was macht die Pflege so besonders und einzigartig?

Ich freue mich, dass ich für den heutigen und auch kommenden Tagebucheintrag Frau Prof. Dr. Renate Tewes, Crown Coaching International, gewinnen konnte. Frau Dr. Tewes wird in ihrem heutigen Beitrag darauf eingehen, was die Pflege so besonders macht und warum sich die typischen Kernkompetenzen dieses Besonderen für die Pflege zum Nachteil auswirken.

1. Die geschätzten Kompetenzen von Pflegefachkräften

Das, was die Pflege so besonders macht, ist ihre Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zurückzunehmen und sich zuerst um andere zu kümmern. Eine Mischung aus Empathie, Selbstverpflichtung und professionellem Handeln. Von Pflegefachkräften wird erwartet, dass sie hilfsbereit, freundlich und zugewandt sind. Sie sollen einfühlsam mit dem Leid von Patienten umgehen, den Sorgen von Bewohnern mit Verständnis begegnen bei Schwerkranken Schmerzen lindern und Angehörige vertrauensvoll beraten.

Der Ethikcode der Pflegefachkräfte sieht vier Aufgabenbereiche vor: Gesundheit zu fördern, Krankheit zu verhüten, Gesundheit wiederherzustellen, Leiden zu lindern. Dabei soll Vertrauen geweckt, Sorgen ernstgenommen, Ängste verstanden, Konflikte gelöst, Bedürfnisse befriedigt und auf individuelle Wünsche eingegangen werden. Neben einer hohen fachlichen Expertise erfordert die Tätigkeit von Pflegefachkräften eine ausgeprägte soziale und emotionale Intelligenz. Empathiefähigkeit ist eine entscheidende Grundkompetenz, die von Patienten, Bewohnern und Angehörigen erwartet wird. Dazu gehört u.a. ein professionelles Ekelmanagement, also die unangenehmen Gefühle in einer Pflegesituation den Patienten oder Bewohner nicht spüren zu lassen.

Um all das leisten zu können, müssen Pflegefachkräfte die Fähigkeit entwickeln, sich selbst zurück zu nehmen und den Bewohner/Angehörigen in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei lernen sie, eigene Bedürfnisse zu unterdrücken (wie Ekel, Hunger, Müdigkeit). Bei dieser Kompetenz wird das eigene Ego zurückgenommen, um dem Gegenüber den notwendigen Raum für Pflege, Unterstützung, Ängste, Trauer, Sorgen, Wut zu geben. Stets hilfreich zu sein, ohne Abhängigkeit spüren zu lassen, stets freundlich zu sein, ohne das eigene Schicksal zu beklagen. Dieses antrainierte Verhalten ist gesellschaftlich gewollt - für das die Pflege einen sehr hohen Preis zahlt.

2. Warum die Kernkompetenz der Selbstzurücknahme die Pflege ausbremst

Noch in der Corona-Krise dankt der Geschäftsführer des ICN, Howard Catton, beispielsweise den deutschen Pflegefachkräften mit den Worten:

„Wir wissen, dass Sie wirklich hart arbeiten unter schwierigen Bedingungen und dabei immer zuerst die Anderen im Blick haben.“

Diese Kernkompetenz, „zuerst die Anderen im Blick zu haben“ führt leider dazu, die eigenen Bedürfnisse nicht so ernst zu nehmen. Im Sich-Kümmern-um-Andere verliert sich der Blick auf sich selbst. Somit hat die Altenpflege nicht gelernt, sich für die eigenen Interessen berufspolitisch stark zu machen. Das hatte fatale Folgen. Es konnten Stellen gekürzt, Löhne niedrig gehalten und die Anforderungen erhöht werden. Der Personalmangel tut sein übriges, um stets die Bewohner im Fokus zu haben, sodass oft gar keine Zeit bleibt, zum Innehalten, Reflektieren oder gar Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse.

Die Kehrseite der Medaille der Selbstzurücknahme ist, dass weder die Gesellschaft noch die Politik die Pflege sonderlich ernst nimmt. Und das ändert sich auch nicht, solange die Pflege sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt und sich für die eigenen Belange stark macht.

Obwohl viele Pflegeheime in Deutschland innovative Konzepte der Versorgung entwickeln und umsetzen findet dieses keinerlei Erwähnung in den öffentlichen Medien. Doch jeder Skandal wird breit in der Presse verhackstückt und führt zu großem Imageschaden. Das zeigt sich wiederum an den Bewerberzahlen für eine Pflegeausbildung, die immer weiter zurückging.

Ein Teufelskreis: Die Pflege versorgt die Medien nicht systematisch und konsequent mit Berichten ihres professionellen Alltags, weil sie damit nicht angeben wollen. Eine Folge langjährig trainierter Selbstzurücknahme. Dadurch weiß die Bevölkerung die Pflegetätigkeit nicht wertzuschätzen, denn sie wissen nicht, das Pflege evidenzbasierte Leitlinien umsetzt, Pflegestandards praktiziert oder über Zusatzqualifikationen für Kinästhetik, Bobath oder Wundmanagement verfügt.

Zur Aufgabe von Pflege gehört, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen, um zu erspüren, was der Andere braucht und darauf zu reagieren. Mit dieser Logik verwundert es nicht, dass Pflege davon ausgeht, dass auch andere Berufe so ticken. Dass beispielsweise die Gesellschaft nachfragt, was Pflege denn so macht. Oder dass die Medien von selbst Interesse an der Pflege zeigen und positiv darüber berichten. Die „Bringschuld“ die Presse selbst zu bedienen, wird nicht wahrgenommen, weil diese in ihrem beruflichen Alltag keine Rolle spielt. Ein Bewohner muss nicht erst um Hilfe bitten. Altenpflegerinnen nehmen auch Bedürfnisse wahr, wenn sie nicht ausgesprochen sind und reagieren darauf.

Leider ist das in Politik und Gesellschaft nicht der Fall. Ganz im Gegenteil finden hier vor allem diejenigen Gehör, die eine starke Lobby haben, wie beispielsweise die Ärzte. Während in den letzten 10 Jahren die Pflege immer mehr ausgedünnt wurde, konnten die Ärzte eine Aufstockung der Ärzteschaft erreichen (Albrecht et al, 2017).

Obwohl immer weniger Pflegefachkräfte eingesetzt werden ist zeitlich die Arbeitslast enorm angestiegen. Laut einer Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit suchten Arbeitgeber in der Altenpflege im vergangenen Jahr im Schnitt fast sechs Monate nach Ersatz, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter gekündigt hatte. 

Die Pflege muss sich endlich selbst ernst nehmen und sich für die eigenen Belange stark machen.

Ihre beruflichen Kompetenzen, mitsamt ihrer besonderen Fähigkeit zuerst den Anderen im Blick zu haben, werden mehr denn je gebraucht.

Prof. Dr. Renate Tewes

 

Quellenverweis:

Albrecht M; Loos S; Möllenkamp M et al (2017) Faktencheck Pflegepersonal im Krankenhaus. Internationale Empirie und Status Quo in Deutschland. IGES, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung

Fachkräfteengpassanalyse der Arbeitsagentur (2019) https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Footer/Top-Produkte/Fachkraefteengpassanalyse-Nav.html

Panknin, Hardy-Thorsten (2020) COVID-19 in der Altenpflege. Die Schwester/Der Pfleger 5/20: 18-24

Pressemitteilung des Landkreises Potsdam Mittelmark am 24.04.2020

Sonntag, 10. Mai 2020 - Besuche sind möglich - Freude und Sorge zugleich.

Besuche sind möglich - Freude und Sorge zugleich.

Mit einem Mal ging alles ganz schnell. Durch die Bund-Länder-Verabredung am vergangenen Mittwoch, den 6. Mai, wurde es erstmalig angekündigt und durch die Eindämmungsverordnung des Sozialministeriums des Landes Brandenburg am 8. Mai wurde es rechtliche Gewissheit. Für Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen hat die achtwöchige Isolation und die Trennung von den nächsten Angehörigen endlich ein Ende! Die Möglichkeit von Besuchen ist wieder gegeben - wenn auch eingeschränkt und unter Einhaltung der hygienischen Bestimmungen. Ein großer seelischer Druck fällt damit von den Bewohnern und Angehörigen, das Zusammensein an diesem Wochenende mit dem Muttertag am Sonntag wird ein ganz besonderes sein und gestärkt wird die Hoffnung auf Normalität. Zukünftige Besuche, gemeinsame Treffen und Begegnungen werden in vielen Fällen eine andere Wertigkeit erhalten. Denn wie schnell Gewohntes nicht mehr möglich ist und wie schmerzlich Trennung sein kann, mussten sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Angehörigen sehr leidvoll erfahren. Deshalb ist die neue Regelung ein guter Grund zur Freude.

Diese Freude wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege und in den anderen Arbeitsbereichen der Einrichtungen des SPZ vorbehaltlos geteilt. Waren sie es doch, die mit „ihren Bewohnern“ mitgelitten haben, die deren Traurigkeit täglich neu erleben mussten (aber auch deren Souveränität und Gelassenheit) und denen es immer wieder gelang, sie zu stärken und die heiteren Seiten des Lebens aufzuzeigen.

Doch zu der Freude der Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angehörigen auf der einen Seite und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der anderen gesellt sich eine zweifache Sorge. Es ist die Sorge der Angehörigen, die Besuche möglichst so zu gestalten, dass keine Infektion für die Bewohnerinnen und Bewohner entstehen kann. Und es ist die Sorge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Sorge der Einrichtungen, dass mit den Lockerungen die Infektionsgefährdung für die Bewohnerinnen und Bewohner ansteigen könnte. Unsere Sorge leitet sich daraus ab, dass wir diejenigen versorgen, betreuen und pflegen, die ganz klar zur Hochrisikogruppe gehören und auch die Virologen nicht einschätzen können, wo wir im Verlauf der Pandemie stehen. Sowohl durch die Besuchsregelung als auch durch die Tätigkeit der Friseure in den Salons unserer Häuser erhöhen sich deutlich die Kontakte hinein in unsere Einrichtungen und damit entstehen neue und verschiedenartige Wege für das Virus, in unsere Häuser zu gelangen. Eine Sorge wird uns genommen und eine neue Herausforderung entsteht – das ist typisch für die Pflege. Doch typisch Pflege ist ebenfalls, mit Herausforderungen aktiv umzugehen.

Die Eindämmungsverordnung wurde am Freitagnachmittag erlassen und für den nächsten Tag, Samstag, den 9. Mai in Kraft gesetzt. Damit waren wir aufgefordert, sie sofort umzusetzen. Das ist mehr als sportlich! Umsetzen bedeutet, es muss ein mit der Eindämmungsverordnung übereinstimmendes Besuchs- bzw. Hygienekonzept vorliegen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen vorinformiert, die Abläufe klar und die Sachmittel vorhanden sein. Natürlich haben wir uns bereits in den vergangenen 10 Tagen mit einem Besuchskonzept befasst und am Freitagvormittag dieses zunächst im Krisenstab abschließend beraten. Da hatten wir noch die leise Hoffnung, dass Besuche wieder ab Montag möglich sein würden. So bliebe uns wenigstens ein kleines Zeitfenster, um alle Vorkehrungen zu treffen. Doch die Politik hat anders entschieden – Umsetzung sofort!

Bereits am Freitagnachmittag erhielten wir ein sehr informatives und hilfreiches Schreiben vom Sozialministerium mit den ersten Informationen zur Verordnung und mit praxisrelevanten Anlagen. Wenn die verschiedenen Akteure der Pflege weiterhin so lösungsorientiert und als gleichberechtigte Partner Hand-in-Hand miteinander arbeiten, dann ist mir um die Zukunft der Pflege nicht bange. Also pflegen wir dieses zarte Pflänzchen der Gemeinsamkeit.

Wir haben unser Hygienekonzept umgehend angepasst und alle Vorkehrungen getroffen, damit schon am Samstag und insbesondere am Muttertag die Besuche unter Einhaltung der strikten Hygieneregeln stattfinden können. Freuen wir uns, dass der diesjährige Muttertag für die Bewohnerinnen in den Pflegeeinrichtungen ein ganz besonderer Muttertag wird. Und vergessen wir zumindest für diesen Tag unsere Sorgen und die weiteren Herausforderungen.

Ihr Norbert Fröhndrich

Dienstag, 5. Mai 2020 - 55 Jahre füreinander da ...?

55 Jahre füreinander da ...?

Das Ehepaar Z. hat sich vor fünf Jahren entschieden, in eine Wohnung des Betreuten Wohnens in unmittelbarer Nähe zu den stationären Pflegeeinrichtungen des SPZ zu ziehen. Sollte einer von beiden pflegebedürftig und die Aufnahme in eine stationäre Einrichtung notwendig werden, dann könnten sie sich durch die örtliche Nähe weiterhin besuchen und so zusammen bleiben.

Vier Jahre verbrachten sie eine schöne Zeit im Betreuten Wohnen, doch dann wurde die Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung für Frau Z. unumgänglich. Und so entschieden sie sich für eines unserer Häuser. Herr Z. hielt das gegenseitige Versprechen ein: er besuchte seine Ehefrau täglich vormittags und organisierte an den Nachmittagen in unserem Foyer oder im Café gemütliche Spiel- und Erzählrunden mit anderen Bewohnern oder Freunden. So konnten Frau Z. und Herr Z. nach 55 gemeinsamen Ehejahren weiterhin beisammen sein und das Leben genießen.

Doch dann kam Corona und mit Corona kam das Besuchsverbot für Herrn Z. Sieben Wochen haben sie tapfer durchgehalten, sich nicht gesehen, nicht in die Augen geschaut, nicht berührt und nicht zusammengesessen. Mittlerweile wird über Lockerungen gesprochen: Lockerungen im Handel, in den Kitas, in den Schulen, im Gastgewerbe; sogar mit Lockerungen für eine hochbezahlte Fußballliga beschäftigen sich unsere Kanzlerin und die Minister.

Ende letzter Woche ist Frau Z. plötzlich und ganz leise von dieser Welt gegangen. Die Zeit zum Abschiednehmen nach 55 Ehejahren war nicht mehr da. Kein letztes Wort in der letzten Stunde, keine letzte Berührung, kein letztes Adieu. Frau Z. ging, ohne sich von Herrn Z. verabschieden zu können. Und Herr Z. bleibt - und mit ihm sein Schmerz, seine unendliche Trauer und seine Verzweiflung, seiner Frau auf dem letzten Weg nicht beigestanden zu haben.

Ihr Norbert Fröhndrich

Sonntag, 3. Mai 2020 - Hoffnung auf eine andere Normalität!

Sieben Wochen Krisenmodus und die Hoffnung auf eine andere Normalität!

Seit genau sieben Wochen sind unsere Cafés „Martha“ und „Clara“ geschlossen. In diesen Krisenzeiten wird uns besonders bewusst, welche wichtigen Funktionen diese Treff- und Kommunikationspunkte im Leben unserer Bewohnerinnen und Bewohner einnahmen und hoffentlich wieder einnehmen werden. In beiden Cafés ließen sich die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur die duftenden Kaffeespezialitäten und die leckeren selbstgebackenen Kuchen schmecken (oder die ganz normale Bockwurst oder Soljanka), sondern sie verabredeten sich hier zum Klönen oder zum Spiel. Hier trafen sie ihre Ehepartner, Töchter, Söhne, Enkel oder Urenkel, feierten regelmäßig Geburtstage und Feste und schwelgten beim gemeinsamen Plausch in Erinnerungen oder ließen sich das Neueste über die ehemalige Nachbarschaft berichten.Die Cafés sind zu wichtigen Lebensadern im Quartier, in der alten Normalität geworden; hier pulsierte das Leben. Nun sind diese Orte seit sieben Wochen verwaist.

Ebenfalls seit sieben Wochen gilt das strenge Besuchsverbot für Familienangehörige, für Verwandte und Freunde. Damit wurde die zweite wichtige Lebensader in das Quartier gekappt. Diese große Lücke füllten Stück für Stück und zunächst ganz unmerklich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus – nicht komplett, doch so gut wie möglich. Sie sind in die Rolle der sorgenden Angehörigen hineingewachsen und versuchen, kommunikative Geselligkeit auf einem Mindestmaß zu erhalten. Doch neben der Freude und der Dankbarkeit, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei erfahren, spüren sie gleichzeitig eine besondere psychische Belastung. Wir müssen uns vorstellen, diese Beziehungsarbeit, diese Nähe und dieser „Familienersatz“ erfolgen wie durch einen Schleier, sie finden in einer Halbwirklichkeit statt. Und diese Halbwirklichkeit wird durch den zu tragenden Mund- und Nasenschutz nochmals unwirklicher. Die Gesichtsbedeckung ist Schutz und Hindernis zugleich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten täglich über die gesamte Dienstzeit mit dem Mund- und Nasenschutz, so dass sie zwar den Bewohner schützen, zugleich jedoch das Sprechen und die Mimik erschweren. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner sind (insbesondere bei demenziellen Einschränkungen) durch den Mund- und Nasenschutz irritiert und haben erhebliche Schwierigkeiten, das Gesagte zu verstehen und die Mimik zu erraten.

Und natürlich haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein eigenes Familienleben; einige von ihnen berichten neben der hohen Belastung im Dienst von einer weiteren Belastung in der Familie. Wenn sie zu Hause sind, dann begleiten sie, neben den normalen Haushaltstätigkeiten, die eigenen Kinder bei der Erledigung ihrer Schulpflichten. Wie jeder Andere machen sie sich Sorgen um die Gesundheit der Familienangehörigen; und erst zuletzt um die eigene. Eine nicht zu unterschätzende Besonderheit ist der zusätzliche Druck, sich bloß nicht anzustecken, um das Virus nicht in unsere Häuser zu bringen und verantwortlich dafür zu sein, dass sich unsere Bewohnerinnen und Bewohnern infizieren. Was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit (ob in der Pflege, in der Wäscherei, in der Küche oder Technik) von vielen anderen Berufsgruppen unterscheidet, das ist die permanente körperliche Nähe und Verantwortung für die Hochrisikogruppe! Und trotzdem ist jeden Tag auf sie Verlass: Sie übernehmen zuverlässig Verantwortung und lassen sich von der Last nicht erdrücken, obwohl diese ganz im Sinne des Buchtitels von Maxi Wander „Die Last, die du nicht trägst!“ unermesslich groß ist.

Woraus schöpfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SPZ ihre Kraft, ihre Energie und ihren Optimismus? Eine Frage, die ich nur deshalb beantworten kann, weil meiner kurzfristigen Bitte in dieser Woche an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre eigene Situation einzuschätzen, ihre konkreten Wünsche und Hoffnungen zu benennen, fünfzig SPZ'ler nachgekommen sind. Das ist ein tolles Engagement – deshalb an dieser Stelle mein ganz herzlicher Dank an Sie für Ihre Mitwirkung (so wird dieses Tagebuch zu Ihrem Tagebuch). In dieser und in einer bereits vor Ostern mündlich durchgeführten Befragung haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SPZ sehr konkret und offen geäußert.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gaben an, dass sie ihre Kraft aus der Berufung schöpfen, Menschen in ihrer Pflege- und Hilfsbedürftigkeit zu begleiten und daran mitzuwirken, die Würde der pflegebedürftigen Menschen zu wahren.

Sie schöpfen diese Energie aus ihren bisherigen Erfahrungen in der Pflege und aus ihrer Professionalität in der Bewältigung von schwierigen Situationen.

Ganz wichtig ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in dieser Krisenzeit der Zusammenhalt im Team, das sich aufeinander Verlassen können, der tägliche Austausch mit der Kollegin, dem Kollegen sowie ein transparentes und kommunikatives Entscheiden und Handeln der Geschäftsführung.

Halt und Sicherheit geben selbstverständlich der Zusammenhalt in der Familie und das Wissen, dass es den Nächsten gesundheitlich gut geht.

Und es ist immer wieder die Dankbarkeit der pflegebedürftigen Menschen, sei es in den Einrichtungen oder in der Häuslichkeit, deren Zufriedenheit und Verständnis für diese Situation, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Mut machen und ihre Motivation stärken.

Und wie die Mehrheit der Menschen in Deutschland so wünschen sich alle SPZ'ler, die direkt oder indirekt in der Pflege tätig sind, dass die Normalität baldigst zurückkehrt und wenn nur in kleinen Schritten. So, dass endlich wieder Besuche möglich sind, der Mund- und Nasenschutz nicht mehr getragen werden muss, die Cafés öffnen, die Bewohner wie gewohnt ihre Geburtstage feiern und die Umarmung durch Angehörige das Normalste auf der Welt ist. Die SPZ'ler wünschen sich, dass wir diese Krise gesund überstehen und in der Gesellschaft bisher gering geschätzte Werte einen neuen Stellenwert erhalten. Diese Krise hat einige angeblich ganz banale Einsichten deutlich in den Fokus gerückt, nämlich, dass man „sich an kleinen Dingen erfreuen kann“, dass „soziale Kontakte sehr wichtig sind“, dass „Achtsamkeit, Dankbarkeit und Respekt“ die zwischenmenschlichen Beziehungen prägen sollten und dass „Selbstverständlichkeiten etwas Besonderes sein können“!

Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass das SPZ von sehr verantwortungsbewussten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird; es sind Menschen, die die Pflege benötigt und die das Zeug dazu haben, für die Pflege auch zukünftig aktiv einzustehen.

Ihr Norbert Fröhndrich

 

Mittwoch, 29. April 2020 - Pflegebonus - nun doch!

Der Pflegebonus - nun doch!

Zunächst konnte ich es nicht glauben, doch es scheint Gewissheit zu werden. Der Pflege-Bonus soll kommen.

Mehrmals musste ich gestern Abend den Artikel der Süddeutschen auf meinem iPad lesen, um meine Zweifel zu zerstreuen. Und natürlich habe ich versucht, weitere Quellen heranzuziehen. Auch die Ärzte Zeitung hatte diese Nachricht auf ihrer Seite und schließlich war ein Video vom Bundesgesundheitsminister ziemlich eindeutig.

Freuen wir uns, dass die vielen Proteste etwas bewirkt haben und dass die gegenwärtige außerordentliche Leistung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege zum ersten Mal seit Inkrafttreten der Pflegeversicherung vor genau 25 Jahren diese Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung erfährt.

Wenn wir wollen, dass dies keine „Eintagsfliege“ in Corona Zeiten bleiben soll, dann müssen wir weiter aktiv bleiben. Und dies ganz im Sinne von W. Faulkner: „Ein Mensch, der Berge versetzt, beginnt damit, indem er kleine Steine abträgt.“

Das heutige Tagebuch schließe ich mit diesem Zitat (vom Umfang her sicherlich etwas ungewöhnlich); aber Sie können sicher sein, dass es weitergeführt wird. Denn, wer, wenn nicht wir, und wann, wenn nicht jetzt!

Ihr Norbert Fröhndrich

Sonntag, 26. April 2020 - Pflege im Minutentakt!

Wie viele Pflegeminuten haben wir für jeden Bewohner zur Verfügung?

Hat schon mal jeder für sich nachgerechnet, wie viel Zeit er oder sie täglich für seine/ ihre grundlegenden Bedürfnisse und Tätigkeiten wie Hygiene, Waschen, Mundpflege, An- und Auskleiden, Essen, Trinken, Mobilisierung, Tätigkeiten für die Gesundheit und Kommunikation benötigt? Eine Stunde pro Tag wird dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichend sein. Doch wie viel Zeit wird wohl jemand beanspruchen, dem aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und seiner Pflegebedürftigkeit diese Tätigkeiten und Abläufe nicht nur deutlich langsamer von der Hand gehen, sondern der dazu auch noch auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist? Und ab einem bestimmten Zeitpunkt führt diese Eingeschränktheit und Abhängigkeit von fremder Hilfe dazu, dass der- oder diejenige aus der eigenen Wohnung in eine Pflegeeinrichtung umziehen muss. Was bedeutet dies dann für die Betroffenen? Können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pflegeeinrichtungen für sie jene Zeit aufbringen, die die Betroffenen für diese grundlegenden Bedürfnisse und Abläufe, für ein menschenwürdiges Leben auch im Alter, auch bei Pflegebedürftigkeit und auch bei Abhängigkeit von fremder Hilfe benötigen?

Die Pflege jammert seit Jahren, dass sie über zu wenig Personal verfügt, dass für die Bewohnerinnen und Bewohner in den Einrichtungen nicht ausreichend Zeit zur Verfügung steht und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgepowert sind. Ist das begründetes Jammern oder könnte es auch sein, dass sich die Pflege in ihrem Jammermodus ganz gut eingerichtet hat; vielleicht gefällt sie sich sogar in der Rolle der ausgepowerten Helden? Es ist also an der Zeit, konkret darüber zu sprechen, wie sich die Situation in den stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland darstellt. Wie viel Zeit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der stationären Pflege tatsächlich für die Erbringung dieser Leistungen und ist diese Zeit bedarfs- bzw. bewohnerorientiert? Meiner Analyse liegen die realen Prozesse sowie die mit den Pflegekassen verhandelten Konditionen im Land Brandenburg zugrunde.

Der Anteil der für die Beschäftigten zur Verfügung stehenden Zeit ergibt sich in der stationären Pflege aus der Anzahl der Bewohner, der Verteilung ihrer Pflegegrade in der jeweiligen Einrichtung und den diesen zugeordneten Personalschlüsseln. Dieses Berechnungsschema ist bundesweit ziemlich einheitlich.

Für die stationären Einrichtungen in den Häusern des SPZ ergibt sich aus dieser Berechnung, dass für jede Bewohnerin und jeden Bewohner im Durchschnitt pro Stunde 4 Minuten und 7 Sekunden zur Verfügung stehen. Ja, das ist kein Schreib- oder Druckfehler. Deshalb anders formuliert: Jeder Bewohner hat gegenüber der Einrichtung einen Anspruch auf eine Pflegezeit innerhalb eines Tages (24 Stunden) von 1 Stunde, 38 Minuten und 39 Sekunden. Daraus folgt, von den 24 Stunden eines Tages ist der Bewohner in 22 Stunden und 22 Minuten sich selbst überlassen.

Doch nicht nur die Pflegezeit ist ein Ergebnis der zwischen den Pflegekassen und z. B. der Wohlfahrtspflege abgeschlossenen Verträge, sondern in diesen sind ebenfalls die Tätigkeiten bestimmt, die den bereits zu Anfang genannten Grundbedürfnissen entsprechen. Jedoch nicht konkret verhandelt und somit nicht entsprechend berücksichtigt in den Verträgen sind die Tätigkeiten wie Pflegedokumentation, Abstimmungen mit Ärzten und Apotheken, Krankenbeobachtung, Medikamente stellen, Angehörigengespräche führen, den Medizinischen Dienst fachkompetent begleiten, tägliche Dienstübergaben absichern sowie regelmäßige Dienstbesprechungen durchführen. Und nicht zu vergessen ist der Zeitaufwand für Mitarbeiter- und Beurteilungsgespräche.  Diese Tätigkeiten sind selbstverständlich im berechneten und vorgegebenen Zeitrahmen zu erbringen. Sie machen ungefähr ein Viertel von der errechneten Gesamtzeit aus. Die 98 Minuten pro Tag für den Bewohner schrumpfen – und das ist meine zweite Botschaft -  auf 74 Minuten pro Tag für die direkte Pflege an und mit der Person. Nun gut, könnte man meinen, eine gute Stunde, das ist doch schon was.

An einem typischen Einzelfall (Frau B.) möchte ich erläutern, was das konkret für einen pflegebedürftigen Menschen in unseren Häusern bedeutet? Welches sind die normalen, täglich wiederkehrenden Abläufe im Alltag von Frau B? Dazu zählen das Wecken und Aufstehen, das Ankleiden und das Auskleiden, das Waschen (auch Duschen) und die Mundhygiene, mindestens drei Toilettengänge, sie erhält Hilfe beim Transfer aus und in den Rollstuhl und auch die Medikamentengabe soll nicht vergessen werden. Dafür benötigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den gesamten Tag wenigstens 45 Minuten – wenn sie schnell sind. Für das tägliche Essenreichen im Rollstuhl oder am Bett sind mindestens weitere 30 Minuten einzuplanen (Frühstück, Mittag, Vesper, Abend). Dann bleiben noch … ? … nein es verbleiben keine Minuten mehr. Sollte für Frau B. noch ein Toilettengang nötig sein, so würde sie die ihr zustehende Pflegezeit überschreiten. Ihre Zeit für die Befriedigung weiterer Grundbedürfnisse ist aufgebraucht. Dann muss der Toilettengang eben auf einen anderen Tag verschoben werden! Natürlich nicht!

Selbstverständlich wohnen in unseren Häusern auch Bewohner, für die der Pflege- und Betreuungsaufwand anders und vielleicht geringer ist. Doch auch sie sind bei uns, weil sie einen Pflegebedarf haben! In den seltensten Fällen liegt dieser Aufwand bei weniger als 74 Minuten am Tag. Und neben den beschriebenen Pflegeaufgaben geht es auch um das Zwischenmenschliche – um ein Wort zwischendurch, um ein gemeinsames Lachen und um das Streicheln der Hände. Dafür bleibt „eigentlich“ keine Zeit. Vielmehr müssen sich unsere Mitarbeiter in der Pflege sputen, um im Durchschnitt jedem einzelnen Bewohner die Pflege zukommen zu lassen, die er mindestens benötigt.

Ist erkennbar, wo das Problem steckt? Wir haben in Deutschland ein System in Perfektion entwickelt, das den einzelnen Menschen in Abhängigkeit von Pflegeminuten stellt, ihn in standardisierte Arbeitsprozesse zwingt und das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu bringt, permanent nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen. Das sind zwar sehr typische Prozesse in der Industrie, doch für eine humane Pflege?

Dieses standardisierte System erlaubt den Pflegeeinrichtungen z. B. auch eine Aufbau- und Ablauforganisation, bei der im Nachtdienst für 94 Bewohner auf 4 Etagen nur zwei Mitarbeiter einzusetzen sind. Es gibt also immer zwei Etagen, auf denen gerade kein Mitarbeiter sein kann!

Alle bisher genannten Zeiten und Zwänge sind nicht aus dem Nirwana aufgetaucht, sondern Ergebnisse von „Verhandlungen“ und vertraglich geregelt.

Spätestens jetzt müssten wir uns fragen: Um Gottes Willen, wer verhandelt in Deutschland solche Konditionen für so ein funktionales Arbeitstakt-System? Henry Ford hat vor gut 100 Jahren dieses System für die Automobilindustrie perfektioniert. Warum ist es bisher in einem der angeblich hochentwickeltsten und wohlhabendsten Länder dieser Welt nicht gelungen (seit In-Kraft-Treten der Pflegeversicherung 1995/1996) dieses völlig unakzeptable Pflegesystem abzuschaffen?

Und nun setze ich noch einen drauf. Aktuell wird in der Corona-Krise von uns gefordert, weiterhin dafür zu sorgen, dass wir die fehlenden Angehörigen und Ehrenamtler ersetzen, wir sollen Umfeld- und Nachfolgeanalysen für Verdachtsfälle sowie ein klinisches Monitoring (RKI) durchführen, regelmäßig Hygienestandards anpassen und kontrollieren und die zunehmende Einsamkeit der pflegebedürftigen Menschen abmildern helfen. Wir müssen die Hochrisikogruppe an jedem Tag, in jeder Stunde und zu jeder Minute schützen! Das machen wir. Und dafür gab es bisher keine Unterstützung, kein zusätzliches Personal und der Pflegebonus ist schon vor seinem möglichen Beschluss zerredet worden. So empfinden wir derzeit die Wertschätzung für die Altenpflege.

Warum wird es von uns – den Pflegediensten - duldsam akzeptiert, dass die andere Vertragsseite gebetsmühlenartig behauptet, dies alles geschehe ausschließlich im Interesse der pflegebedürftigen Menschen und sie müsse dafür sorgen, dass die pflegebedürftigen Menschen durch die unangemessenen Forderungen der Pflegedienste finanziell nicht zu stark belastet werden?

Und warum akzeptieren wir es genauso widerstandslos, dass unsere Vertragsseite (z. B. die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege) diesen unhaltbaren Zustand in Form der Verhandlungsergebnisse legitimierte und dafür höchstens mal einen lauwarmen Protest übrig hat? Warum sollten sie auch das kritisieren, was sie selbst mitverhandelt haben? (Kurze Erklärung: Im Wesentlichen führen die Spitzenverbände für die einzelnen Pflegeeinrichtungen die Verhandlungen.)

Deshalb: Werden wir uns unseres Heldentums bewusst, suchen uns gleichgesinnte Partner und setzen uns selbst aktiv dafür ein, dass das Pflegesystem auf eine wertschätzende und dem einzelnen Menschen zugewandte Pflege aufgebaut wird. Denn unsere Erfahrung lehrt uns, dass wir auf Hilfe anderer nicht warten können. Wahrscheinlich werden wir alle, die pflegebedürftigen Menschen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, nur so die Achtung, den Respekt und die Wertschätzung in unserem Gemeinwesen erhalten, die uns – und sicherlich nicht nur uns – als systemrelevante Branche schon längst hätte zukommen müssen!

Ihr Norbert Fröhndrich

Donnerstag, 23. April 2020 - Prof. Dr. Stefan Sell

Wo bleibt der Pflegebonus?

Heute freue ich mich, dass ich in meinem 7. Tagebucheintrag wieder einen Gastbeitrag veöffentlichen darf. Dieses Mal beschäftigt sich Prof. Dr. Sell in seinem Artikel mit der versprochenen Prämie für die Pflegekräfte, die keiner zahlen will.

Prof. Dr. Sell ist Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften am RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz und gilt als Experte in Arbeitsmarktfragen. Ich wünsche Ihnen interessante Ein- und Ansichten - Ihr Norbert Fröhndrich:

Es hat sich ausgeklatscht und die versprochene Prämie für Pflegekräfte in der Altenpflege will keiner zahlen

von Prof. Dr. Stefan Sell - 21.04.2020

Es waren durchaus beeindruckende Bekundungen der Anerkennung und des Danks für diejenigen, die in vorderster Reihe beim Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie ihre Frau bzw. ihren Mann stehen, die in den Kliniken, den Pflegeheimen und den ambulanten Pflegediensten durchhalten und die Versorgung hilfsbedürftiger Menschen sicherstellen. Da wurde nach italienischem Vorbild auf den Balkonen geklatscht und über weitere in vielen Fällen sicher auch zutiefst ehrlich gemeinte Bekundungen des Danke-Sagens wurde berichtet. Nun ist das, wie man überall feststellen kann und muss, mittlerweile abgeklungen, die Diskussionen drehen sich um die eingeleiteten Öffnungen des kommerziellen und gesellschaftlichen Lebens und viele Menschen haben den Eindruck, dass doch eigentlich alles schon vorbei ist.

Die tatsächlichen Dramen laufen im Hintergrund ab und oftmals in den Einrichtungen, die man auch noch abgeschottet hat gegenüber der Außenwelt. Also in den Pflegeheimen, die zu den Hotspots der im wahrsten Sinne des Wortes tödlichen Seite der Corona-Krise geworden sind. Und das, was dort abläuft, schlägt sich dann nieder in solchen Meldungen: »In Deutschland sind bislang etwa 4.600 Menschen infolge des Corona-Virus gestorben – etwa ein Drittel davon in Pflegeheimen und anderen Betreuungseinrichtungen. Das besagen die Zahlen des Robert Koch-Instituts«, so Christoph Heinzle in seinem Artikel „Ein Drittel aller Corona-Toten in Heimen“. Es ist ein stilles Sterben in den abgeschlossenen Heimen und auch zahlreiche Mitarbeiter dort haben sich infiziert. Aber da ist dann ja noch wenigstens das Versprechen einer nicht nur emotionalen oder verbalen Anerkennung (die erst einmal nicht viel kostet), sondern, dass die Pflegekräfte in der Altenpflege eine handfeste materielle Würdigung in Form einer Prämie bekommen sollen. So entstand vor einigen Wochen die Idee, die besonderen Leistungen der Altenpflege mit einer „Corona-Sonderprämie“ von 1.500 Euro für die mehr als eine halbe Million Beschäftigten zu honorieren.

Wieso eigentlich eine Sonderprämie in dieser Höhe, also 1.500 Euro? Der Betrag resultiert schlichtweg aus einer zuvor von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erlassenen Regelung, die beinhaltet, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten in diesem Jahr Corona-Sonderprämien bis zu 1.500 Euro gewähren können, ohne dass darauf Steuern und Sozialbeiträge erhoben werden. Was natürlich voraussetzt, dass die Arbeitgeber die Prämie auch zahlen können. Mit welchen Kosten müsste man rechnen? Wie so oft heißt es hier: Kommt darauf an. Aus dem Lager der Krankenkassen kommt die Schätzung, dass für die Altenpflege mit 900 Millionen Euro zu Lasten der Pflegekassen zu rechnen wäre. Und das von den Arbeitgebern finanzierte Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt auf einen Finanzierungsbedarf von insgesamt 1,14 Milliarden Euro für eine Prämie, die an Altenpflegekräfte, nicht aber an Verwaltungsmitarbeiter in der Pflege ausgeschüttet würde.

Und nun erreichen uns solche Meldungen: Keiner will die Pflege-Prämie zahlen: Die groß angekündigte Corona-Prämie von 1.500 Euro steht auf der Kippe, berichten Dietrich Creutzburg und Christian Geinitz in ihrem in der FAZ veröffentlichten Artikel. »Dabei schien alles schon geklärt, selbst für den sozialpolitisch stark engagierten Paritätischen Wohlfahrtsverband: Man sei „sehr froh, dass Politik und GKV-Spitzenverband ihre Bereitschaft erklärt haben, den Pflegekräften eine Zulage in Höhe von 1.500 Euro zu zahlen“, teilte er am 7. April mit. Der GKV-Spitzenverband ist das Dach der gesetzlichen Krankenkassen, die auch die Pflegeversicherung organisieren.« Da war möglicherweise der Wunsch Vater des Gedankens, dass es bereits eine Zusage geben würde – denn tatsächlich war und ist eben keine Klarheit darüber hergestellt worden, wer denn die Rechnung bezahlt. Und hinter den Kulissen wird hitzig um Zuständigkeiten und Kosten gerangelt. Dabei geht es u. a. um die Frage, aus welchem Topf denn die Mittel kommen sollen:

»In der Tat hatte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbands Anfang April gesagt, die Prämie werde „am Ende aus den Portemonnaies der Beitragszahler finanziert“. Doch dies war intern offenbar nicht fest vereinbart. „Es gab keine Abstimmung zur Finanzierung aus Beitragsmitteln“, stellt Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Ersatzkassen-Verbands VDEK, klar – und fügt hinzu, dass es um „gesamtgesellschaftliche Anerkennung“ gehe. „Es kann nicht sein, dass allein die Beitragszahler hierfür aufkommen müssen.“

Der Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, betont, dass die Kassen dafür gar keinen Spielraum hätten, denn ihre Pflege-Rücklagen hätten schon vor der Krise höchstens bis Ende 2021 gereicht. „Die symbolische Anerkennung für systemrelevante Berufsgruppen, die jetzt in der Corona-Krise verstärkt gefordert sind, muss deshalb vom Bund oder von den Ländern kommen, etwa über zweckgebundene Zuschüsse für die soziale Pflegeversicherung“, sagt Litsch.«

Der Spitzenverband der Kranken- und Pflegekassen sieht andere in der Pflicht, die Schatulle zu öffnen. Die Begründung dafür geht so: »Altenpfleger leisteten „einen herausragenden Dienst“ für die Allgemeinheit – und deshalb sollten bei der Finanzierung „Bund und Länder Verantwortung übernehmen“.«

Und befeuert wird das Abschieben der Zuständigkeit an andere auch durch die Arbeitgeber: Einen Anteil an der Kehrtwende hat auch ein interner Brandbrief, mit dem die Arbeitgeberseite im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands gegen die Idee einer Prämie auf Kosten der Beitragszahler protestierte. Deren Vertreter, Volker Hansen, wird mit diesen Worten zitiert: "Die vorhandenen Rücklagen der Pflegeversicherung dürfen nicht für teure Pflegeboni aufgezehrt werden.“

Und dann – aufgepasst – stellen die Arbeitgeber die „Gerechtigkeitsfrage“ und da müssen sich die Pflegekräfte aber richtig festhalten bzw. man muss diese Formulierung erst einmal sacken lassen:

»Außerdem, so hebt der Brandbrief hervor, stelle sich auch eine … Gerechtigkeitsfrage: Es sei zwar richtig, der Leistung der Pflegekräfte Respekt zu zollen. Man müsse aber auch sehen, „dass sie in der derzeitigen Krise einen sicheren Arbeitsplatz haben und ihr volles Gehalt beziehen, während viele Beschäftigte in anderen Branchen in Kurzarbeit gehen müssen oder sogar ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Diese Beschäftigten als Beitragszahler mit der Pflegeprämie zu belasten sei nicht in Ordnung.«

Aber nun wirklich – die Pflegekräfte sollen doch nicht eine überschaubare Prämie erwarten oder gar fordern. Nein, sie sollen dankbar sein, dass sie tagein tagaus ihre wertvolle Arbeit verrichten dürfen, während andere im Homeoffice vom eigenen Nachwuchs genervt werden oder nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten dürfen und das dann auch so richtig zu spüren bekommen in der Lohntüte. Das ist schon richtig perfide, so eine Argumentation.

Und der Spahn? Die Politik sowie konkret Bund und Länder werden adressiert mit der Forderung, die Kosten für die Prämie aus Steuermitteln zu finanzieren. Wenn man sich anschaut, in welchem Ausmaß derzeit für die meisten Menschen unvorstellbare Milliarden-Beträge aufgerufen werden, da wären doch solche Gelder an sich mehr als überschau- und leistbar, vor allem angesichts der besonderen Bedeutung und der Belastungssituation der Altenpflegekräfte.

Aber der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und andere in der Politik bremsen hier und versuchen sich aus der Affäre zu stehlen, denn – so Creutzburg und Geinitz in ihrem Artikel – die Politik steht vor zwei Problemen: »Die ohnehin angespannte Lage der Pflegeversicherung würde sich mit neuen Milliardenausgaben verschärfen. Zudem erzeugte eine politisch zu beschließende Prämienreglung neue Erklärungsnot: Wieso sollen nur Altenpfleger eine aus öffentlichen Kassen finanzierte Prämie erhalten – wo doch auch Krankenpfleger, Rettungssanitäter oder Beschäftigte in der Behindertenhilfe wichtige Arbeit leisten?«

Man ahnt schon, wo das angesichts dieser Gemengelage enden wird. Im Nirwana der folgenlosen Versprechungen. Außer, der politische Druck treibt die Bundesregierung dann doch noch dazu, die Rechnung zu übernehmen. Auf einen Strich mehr oder weniger auf dem Deckel kommt es nun doch wirklich nicht mehr an.

Sollte das allerdings weiter blockiert werden in Verbindung mit dem Ansatz, die Angelegenheit durch Liegenlassen irgendwie verschwinden zu lassen, sollten die Pflegekräfte ihren sowieso schon vollen Forderungszettel noch aufstocken. Den wird man brauchen, wenn es nach der unmittelbaren Krise darum gehen wird, dass die dann fällige Rechnung für das erhebliche Rettungsprogramm einzutreiben. Denn dann wird der Standard-Textbaustein der sein: „Aufgrund der angespannten Haushaltslage in Verbindung mit den erheblichen Schulden können leider keine Verbesserungen oder Reformen finanziert werden, sondern alle müssen Opfer bringen.“ Wobei das „alle“ wenn, dann nur sehr eingeschränkt und eben gerade nicht im Sinne einer Gleichverteilung zu verstehen ist. Und nach allen Erfahrungen aus der Vergangenheit wird die tatsächliche Belastungskurve eine deutliche Schieflage zuungunsten der Menschen in der unteren Hälfte haben. Wenn sich an den Koordinaten des entsprechenden Handelns in der Vergangenheit nichts fundamental ändert nach Corona, dann werden die Pflegekräfte aufpassen müssen, dass man sie nicht erneut zurückverweist in die Sprachlosigkeit, die wir lange Jahre vor Corona in der Pflege, vor allem der Altenpflege, haben sehen und beklagen müssen. Dagegen könnte man sich zu wehren versuchen.

Nachtrag am 22.04.2020:

Eine mögliche differenzierte Ausgestaltung der „Corona-Prämie“ wurde von einem Beratungsgremium aus Mitgliedern der vormaligen 4. Pflegekommission dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Bundesministerium für Gesundheit zur Umsetzung empfohlen – wobei diese Gruppe von den beiden Ministerien gebeten wurde, Vorschläge zur Ausgestaltung einer Prämie im Rahmen der Corona-Pandemie und Anforderungen an mögliche Finanzierungs- und Durchführungswege im Regelungsbereich des SGB XI zu machen.

Vgl. dazu den Beitrag Prämie für die Altenpflege in Vorbereitung: »Als Anerkennung für die erhöhte, besondere Belastung durch die Arbeit mit zur Covid-19-Risikogruppe zählenden Pflegebedürftigen sollen bundesweit die Beschäftigten in der stationären und ambulanten Altenpflege eine Prämie erhalten.« Die vorgeschlagene Prämie soll nach Berufsgruppen gestaffelt werden:
➞ 1.500 Euro erhalten demnach alle Beschäftigten, die hauptsächlich in der Pflege und Betreuung arbeiten
➞ 1.000 Euro erhalten weitere Berufsgruppen, wenn sie mindestens zu 25 Prozent mit den Pflegebedürftigen arbeiten
➞ 500 Euro erhalten alle weiteren Beschäftigten mit weniger als 25 Prozent direktem Kontakt
➞ Pflege-Azubis erhalten 900 Euro

Und die Mitglieder der vormaligen vierten Pflegekommission sagen auch was zu dem Streitthema Finanzierung. Zu den Anforderungen an mögliche Finanzierungs- und Durchführungswege wird ausgeführt: Eine alleinige Finanzierung aus Mitteln der Pflegeversicherung wird vor dem Hintergrund der Anerkennung für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe abgelehnt. Die Kosten der Prämie dürfen weder von den Einrichtungen und Diensten getragen werden noch ist eine Erhöhung der Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen oder ihrer Angehörigen vertretbar.

Die Liquidität vieler Einrichtungen und Dienste ist durch die Pandemie beansprucht und lässt ein Vorstrecken der Prämienzahlung nicht zu, zumal viele der Anbieter in vielen Arbeitsfeldern tätig und nun weitergehend beansprucht sind. Daher ist eine entsprechende vorherige Vorauszahlung für die Einrichtungen und Dienste zwingend erforderlich. Und: Zahlungen auf der Grundlage von Landesregelungen sollen angerechnet werden können.
Und wer soll zahlen? »Nach der Empfehlung des Beratungsgremiums ist nun die Frage der Finanzierung politisch zu klären. Die Mitglieder haben jedoch darauf hingewiesen, dass die Prämie nicht aus den Mitteln der Sozialversicherung finanziert werden kann und keinesfalls die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige belasten darf.« Anders formuliert: Es wird für eine Finanzierung aus Steuermitteln plädiert.

Das muss dann von der Politik entschieden werden. Bonus für Pflege: Spahn verspricht Lösung für Finanzierung, so ist einer der Meldungen dazu überschrieben: »Sein Ziel sei, „dass wir in den nächsten ein, zwei Wochen da auch zu einem konkreten Ergebnis für die Pflegekräfte kommen“, sagte Spahn am Mittwoch nach einer Sitzung des Gesundheitsausschusses im Bundestag in Berlin.« Und weiter: »Spahn sagte, bei den Bonuszahlungen gehe es um eine faire Verteilung der Kosten. Geklärt werden müsse, welchen Teil die Pflegekassen übernehmen sowie die Länder und Arbeitgeber.« Das hört sich nicht an wie eine vollständige Steuerfinanzierung der Prämie. »Spahn sagte, geklärt werden solle in den kommenden Tagen, wie Teilzeitkräfte berücksichtigt werden und welche Berufsgruppen genau eine Prämie erhalten sollen. “Reinigungskräfte leisten auch wichtige Arbeit”, sagte Spahn. Nach dieser Klärung solle über die Finanzierung gesprochen werden.« Also die Finanzierungsfrage bleibt weiter offen.

Samstag, 18. April 2020 - Sind wir Helden!

Sind wir Heldinnen und Helden?

Eine Frage, die in dieser Krise nicht von uns, sondern von anderen mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet wird. So wird die Pflege öffentlich wertgeschätzt, von den Balkonen als Geste der Anerkennung beklatscht und als systemrelevant eingestuft.

Ich meine, wir sollten uns die Beantwortung dieser Frage nicht zu leichtmachen. Wenn wir (und nicht nur wir, sondern ebenfalls die Beschäftigten im Einzelhandel, bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst usw.) jetzt als Heldinnen und Helden gefeiert werden, obwohl wir nur das machen, was wir immer schon taten, wer waren wir dann vorher? Und wer werden wir nach der Krise sein? Mit dem Abebben der Krise wird die Pflege genauso plötzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung und Wertschätzung verschwinden, wie sie darin auftauchte. Und wir werden dann wieder so wahrgenommen, wie die Pflege in den vergangenen 25 Jahren betrachtet wurde - nämlich als eine Branche …

  • die der Bedeutungsmacht der Pflegekassen und des MDK deutlich unterlegen ist,
  • als eine Branche, über die sich verschiedenste Aufsichtsgremien erheben werden,
  • als eine Branche, die aus dem Wenigen, was ihr zur Verfügung gestellt wird, das Beste für die uns anvertrauten Menschen herausholt,
  • als eine Branche, in der 30 Jahre nach der Wende in unserem föderalen System immer noch sehr unterschiedliche Löhne gezahlt werden und sehr unterschiedliche Personalschlüssel vorherrschen,
  • als eine Branche, die sich immer wieder neu verteidigen und erklären muss und
  • als eine Branche, in der die pflegebedürftigen Menschen nicht so bedarfsgerecht gepflegt und betreut werden, wie es ihrer Lebensleistung angemessen wäre.

Und so lautet meine erste Antwort auf die obige Frage: Wir waren schon immer Heldinnen und Helden! Aber für diejenigen, die in der Pflege tätig sind, war und ist das nicht wichtig. Wichtig ist für diese immer: Wie geht es dem pflegebedürftigen Menschen, fühlt er sich wohl, können wir ihm Lebensfreude vermitteln und ein Lächeln auf sein Gesicht zaubern. Als Helden bezeichnet zu werden, beschämt die in der Pflege Tätigen und macht sie verlegen. Doch diese Scheu und Demut müssen wir ablegen.

Meine zweite Antwort auf diese Frage lautet: Wir fühlen uns nicht als Heldinnen und Helden!

Doch der gegenwärtige Umgang mit der Pflege in der aktuellen Situation zeigt uns, dass wir uns stark machen müssen, damit wir auch zukünftig als selbstbewusste und systemrelevante Branche wahrgenommen und akzeptiert werden. Der erste Schritt dazu wurde getan: Die Bundes- und Landespolitik hat unseren Bereich als systemrelevant eingestuft. Das bleibt unwidersprochen. Nun wird die gesetzgebende Gewalt von uns, von der Pflege aufgefordert, dies nicht nur anzuerkennen, sondern diesen Worten Taten in Form von entsprechenden Gesetzen und Verordnungen umgehend folgen zu lassen.

Und so lautet meine abschließende Antwort auf die obige Frage: Wir wollen keine Heldinnen und Helden sein und müssen gleichzeitig nach der Krise selbstbewusste Heldinnen und Helden in unserem Gemeinwesen werden, damit die notwendigen, versprochenen und längst überfälligen Verbesserungen in der Pflege endlich eingelöst werden.

Also: Werden wir uns unseres Heldentums bewusst! Ich jedenfalls bin sehr stolz auf die Heldinnen und Helden unseres SPZ, die gerade in dieser außerordentlichen Zeit täglich ihr Bestes geben.

Norbert Fröhndrich

Dienstag, 14. April 2020 - Prof. Isfort

Es ist an der Zeit die Pflege zu würdigen!

Das Tagebuch Nr. 5 etwas anders: Ich freue mich, dass ich die aktuelle Position zur Altenpflege in der Corona-Zeit von Herrn Prof. Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung heute auf meinem Tagebuch veröffentlichen darf - Ihr Norbert Fröhndrich:

Prof. Isfort
„Viel zu oft sehe ich in dieser Zeit der Krise leider teils unpassende und teils nicht abgestimmte, weil nicht wirklich durchdachte Maßnahmen, wie einen generellen Aufnahmestopp in der stationären Pflege in Bayern und Niedersachsen, eine RKI Richtlinie zum Aufweichen des Schutzes der Mitarbeitenden in der Pflege bei Infektionsverdacht (zu einem sehr frühen Zeitpunkt (ohne Not)), ein „Konzeptpapier“ zur Erfassung der medizinischen letzten Wünsche bei stationären Bewohnerinnen und Bewohnern in Corona-Zeiten (Advanced Care Planning ohne Interdisziplinarität in Zeiten der Krise zu betreiben, ist schlichtweg Unsinn oder sogar Wahnsinn)…. Was sollen denn ältere Menschen, die seit Wochen isoliert sind, die Mitarbeitende mit Mundschutz sehen und auf die das Befremdliche nochmals verstärkt bedrohlich wirkt, anderes angeben, als dass sie im Falle einer Erkrankung nicht mehr in ein Krankenhaus eingeliefert werden wollen.

Aufklärung ist schwierig in Zeiten, in denen das Gefühl über die Ratio bestimmt. Pflegende sind hier einzubeziehen im Sinne einer anwaltlichen Garantenstellung. Aber dies sind nur einzelne kleine Dinge, die uns in der Pflege trotzdem dazu anregen müssen, uns Gehör zu verschaffen und unsere Positionen zu vertreten. Auch ein generelles Besuchsverbot für Angehörige sehe ich kritisch, die Angehörigen, die tatsächlich da sind (und das sind ja gar nicht so viele, die sich wirklich regelmäßig aktiv an der Betreuung beteiligen), haben eine wesentliche und stützende Funktion in der Aufrechterhaltung der Versorgung.

Mich erreichte ein Brief einer Angehörigen eines demenzkranken aber nicht erkrankten Mannes, der Ire ist und kein deutsch spricht, sie durfte zwei Wochen nicht zu ihm; er stellte das Essen und Trinken ein. Kontakt wurde nicht erlaubt, stattdessen wurde gefragt, ob man eine parenterale Ernährung und eine subkutane Flüssigkeitsgabe vornehmen solle. Vorgestern ist er in einem Krankenhaus verstorben. Ist er nicht auch ein Corona-Opfer?

Statt aber zu diskutieren, wie dies vermieden werden kann, wie man ausrüsten, testen und Angehörige integrieren kann, sollen Freiwillige, Buftis, Medizinstudenten etc. gewonnen werden, um in Einrichtungen zu helfen. Sind sie denn dienlich in einer solchen Situation bei Ihnen? Können sie etwas einbringen, was Sie vor Ort nicht einschätzen und selbst erbringen können? Es ist schön zu wissen, dass hier Hilfsbereitschaft besteht, aber passt das zusammen mit einer Abschottung? Das können wahrscheinlich nur die einzelnen Einrichtungen vor Ort einschätzen und auch nur hier können sinnvolle Bedarfe ermittelt und Konzepte der Integration erstellt werden. Brauchen wir denn dann nicht mehr Flexibilität statt mehr generelle Vorgaben?

Viel zu schnell werden nach meiner aktuellen Einschätzung momentan generelle statt situativ angepasste Maßnahmen unterbreitet. Man entscheidet über statt mit den Heimen, dabei liegen doch genau hier die Expertisen vor, wie und wo man verantwortlich handeln kann. Ich kenne keine Einrichtungsleitung, die leichtfertig in dieser Zeit „schludern“ würde und Mitarbeitende oder Bewohner einem unverhältnismäßigen Risiko aussetzen würde. Ich kenne keinen in der Pflege Tätigen, der eine Gefahr für seine Bewohner leichtfertig eingehen würde, das ist schlichtweg nicht das Wesen der Pflege.

Auf der anderen Seite kann man aber nicht aus jeder Einrichtung eine Infektiologie machen; das geben vielerorts die Räumlichkeiten nicht her. Wieso werden weiterhin Kliniken prioritär ausgestattet mit Material und Tests, wieso diskutierten wir nahezu drei Wochen stärker über High-Tech, wie Beatmungsgeräte, als über die Einrichtungen, in denen die eigentliche Prävention gegen Covid-19 stattfindet, Einrichtungen, die einen Krankenhausaufenthalt verhindern können? Das sind die ambulanten Dienste und die stationären Einrichtungen, die sich aber überaus kompetent erweisen im Umgang mit der Krise.

In anderen Ländern, wie den USA, zerbricht man sich angesichts der niedrigen Zahlen der Verstorbenen in Deutschland den Kopf und fragt sich, wie dies sein kann (New York Times). Die Kennzahlen werden sogar angezweifelt; in Studien wird untersucht, ob die Luftverschmutzung in den Industriezentren in Norditalien eine Auswirkung auf die hohen Todesraten der Älteren hat im Vergleich zu den niedrigen in Deutschland. Man fragt sich, wieso dort, wo doch mediterranes Essen vorherrscht, trotzdem diese erschütternden Bilder zustande kommen können. Es wird korreliert, diskutiert und angenommen. Dabei ist die Antwort eigentlich naheliegend: wir haben ein flächendeckendes Netz an guten Einrichtungen, wir haben vulnerable und gefährdete Menschen in stationären Einrichtungen leben, die durch das Personal geschützt werden können. Wir haben Personal, das sich vielleicht nicht auf N1H1 oder Sars-Cov 2 spezialisiert hat, aber Mitarbeitende in stationären Einrichtungen kennen Noroviren, sie kennen MRSA, sie wissen um Schutzmaßnahmen und Hygienenotwendigkeiten.

Es ist an der Zeit, dass wir diese Expertise würdigen, sie ernst nehmen und dass wir in der zweiten Phase den Fokus auf die Prävention legen. Dazu brauchen die Einrichtungen prioritären Zugang zu Material und Schutzausrüstung, sie brauchen Tests (ggf. auch Poollösungen), sie brauchen aber vor allem eines: das Zutrauen, dass sie dies verantwortlich steuern können. Mehr Vorschriften bieten hier eben nicht mehr Sicherheit. Sie verstärken die Problemlagen statt sie zu beseitigen.“

Prof. Dr. rer. medic. Michael Isfort
Abteilungsleiter III (Pflegearbeit und -beruf)
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender
des Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.
Hülchrather Str. 15, 50670 Köln

Sonntag, 12. April 2020 - Ostern im SPZ

Ostern 2020 für unsere Bewohner – anders als sonst?

„… meine Lebenszeit wird kürzer und vielleicht kann ich meine Familie nicht mehr sehen – das macht mich sehr traurig … aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und im Juli möchte ich mit meiner Familie meinen Geburtstag feiern; vielleicht ist bis dahin alles gelockert; aber wenn es so sein muss, dann muss es so sein. Ich gebe mir Mühe, noch ein bisschen da zu sein.“  Mit diesen Worten beschreibt Frau B. auf dem Wohnbereich 4 sehr prägnant ihre Gefühlslage. Auch andere Bewohnerinnen und Bewohner in unseren Häusern, die ich unter Beachtung der Hygienevorschriften zu den Auswirkungen von Corona und zum bevorstehenden Osterfest befragte, schätzen die Situation ziemlich souverän - und ich möchte fast sagen mit einer gewissen Gelassenheit - ein. Sie zweifeln nicht an der Notwendigkeit der Maßnahmen, die für sie mit Einschränkungen verbunden sind. Natürlich vermissen sie gerade über das Osterfest den Besuch des Ehepartners, des Sohnes oder der Tochter. Und sie hätten sehr gern in die strahlenden Augen der Enkel oder sogar der Urenkel geschaut, diese in ihre Arme geschlossen und den körperlichen Kontakt nicht nur als wohltuend, sondern als lebensspendend empfunden. Die Feiertage sind immer besondere Anlässe für ein gemeinsames Kaffeetrinken mit der Familie und das gesellige Zusammensein – und dies ganz besonders in den Pflegeeinrichtungen. Aber in diesem Jahr ist vieles anders. So findet der Kontakt aus kleiner Entfernung eben über den Balkon statt, Geschenketüten werden unten in den Fahrstuhl gestellt und oben von den Beschäftigten entgegengenommen, das Telefon wird von den Angehörigen deutlich intensiver benutzt und die Post muss sicherlich eine höhere Anzahl von Karten, Päckchen und Briefen befördern. Zu dieser besonderen Situation äußern sich unsere Bewohnerinnen und Bewohnern in gewissem Sinn ziemlich übereinstimmend: „… es ist eben nicht zu ändern; … wir werden auch das überstehen; … es ist, wie es ist!“ Was ich in allen Gesprächen und Begegnungen mit ihnen feststellen und erleben durfte, dass es vor allem ihre Lebenserfahrung ist, die ihnen als Kompass dient und die ihnen Sicherheit, Ruhe und ein gehöriges Maß an Lebensmut gibt. Unsere Bewohner fühlen sich sicher in unseren Häusern; sie erleben die gewohnten Abläufe und sie bringen – und das war auch für mich sehr erhebend – eine unwahrscheinliche Dankbarkeit zum Ausdruck.

Dankbar, dass sie in unseren Häusern so gut aufgehoben sind; dankbar, dass sie gut versorgt, gepflegt und betreut werden, dankbar dafür, dass sie die gewohnten Abläufe weiter erleben können und insbesondere dankbar, dass sie sich auf uns verlassen können und die bekannten und vertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter sehr fürsorglich an ihrer Seite stehen. Doch auch wir sind außerordentlich dankbar, dass sich diese Stärke, dieser Lebensmut, die Gelassenheit und Souveränität auf unsere Arbeit und unser tägliches Handeln übertragen.

Mit diesen Aussagen und Eindrücken wird doch ziemlich genau auf den Punkt gebracht, dass und warum die Altenpflege in Deutschland ein systemrelevanter Bereich ist. Damit diese Einschätzung der Politik auch nach der Corona Krise nicht verloren geht, lohnt es sich alle Kräfte zu mobilisieren, Mitstreiter zu gewinnen, unsere Spitzenverbände zu motivieren und die politisch Handelnden nicht aus der Verantwortung zu lassen.

Uns allen wünsche ich weiterhin ein schönes Osterfest und eine angenehme Zeit danach – mit Abstand, mit Dankbarkeit, in Zufriedenheit und mit Glück.

Ihr Norbert Fröhndrich

Donnerstag, 9. April 2020 - Der Pflegebonus

Der Pflege Bonus

In Bayern scheint es beschlossene Sache zu sein, in Niedersachsen gab es eine zustimmende Äußerung des Ministerpräsidenten, die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche hat es mit Verdi verhandelt – nur im Land Brandenburg herrscht wieder einmal Stille. Als Anerkennung für die herausragende Arbeit in der Pflege in dieser angespannten Zeit sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine finanzielle Einmalzahlung erhalten. In Bayern ist eine einmalige Zahlung von 500 EUR wohl schon beschlossen, ansonsten ist bundesweit eine zusätzliche Lohnzahlung von bis zu 1.500 EUR im Gespräch. Im Land Brandenburg sind viele Pflegeunternehmen nicht tarifgebunden und somit gelten mögliche Vereinbarungen mit Verdi nicht. Was ist also im Land Brandenburg vorgesehen. Ein Blick auf die Webseite des Sozialministeriums verrät es: Nichts! Keine Aussage. Nach Eingabe der Suchbegriffe „Bonus“ und „Pflege“ erscheint die Fehlanzeige „Null Treffer“.

Dabei ist für uns vollkommen klar:

  1. Der Pflegebonus, als eine zusätzliche finanzielle Anerkennung für alle Mitarbeitenden, die in der Pflege nicht nur jetzt – doch gegenwärtig ganz besonders – Bedeutendes in unserer Gesellschaft leisten, ist unbestritten eine wichtige Wertschätzung und sollte zügig, unbürokratisch und bundeseinheitlich gewährt werden.
  2. Der Pflegebonus ist für alle Mitarbeitenden zu zahlen, egal ob das jeweilige Unternehmen tarifgebunden ist, über einen Haustarifvertrag verfügt oder einzelvertragliche Regelungen gelten. Wir brauchen keine Kleinstaaterei.
  3. Der Pflegebonus darf in der Höhe nicht davon abhängig gemacht werden, ob der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in Voll- oder Teilzeit arbeitet. Jede und jeder einzelne, die aktuell in dem äußerst angespannten Bereich der Altenpflege jeden Tag Außerordentliches leisten, haben einen Bonus in gleicher Höhe verdient! Er sollte mindestens 500 EUR betragen.
  4. Der Pflegebonus ist für alle Berufsgruppen in der Pflege zu zahlen! Damit sich das Räderwerk in der Pflege dreht, bedarf es neben den Pflege- und Betreuungskräften selbstverständlich der Beschäftigten in der Küche, in der Technik, in der Wäscherei oder in der Verwaltung. Alle diejenigen, die in dieser Krisenzeit dafür sorgen, dass sich die pflegebedürftigen Menschen in den Einrichtungen oder in der Häuslichkeit wohl, geborgen und sicher fühlen, müssen bedacht werden.

Wir warten auf eine klare Entscheidung und wir erwarten, dass unsere Arbeit die entsprechende Wertschätzung erfährt.

Ihr Norbert Fröhndrich

Sonntag, 5. April 2020 - Pflege wird gehört

Natürlich ist Sonntag nicht coronafrei. Das Virus kennt keine Wochenenden oder Ferien. Es ist einfach da, wenn die Bedingungen vorliegen und es kommt, wenn wir ihm Übertragungswege bieten. Und auch die Bedingungen und Abläufe in der Altenpflege sind sonntags prinzipiell nicht anders als an den anderen Wochentagen. Nur dass heute im SPZ der Krisenstab nicht zusammentrifft, das unterscheidet diesen Tag etwas von den anderen. Doch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegen die Telefonnummern des Krisenstabes und aller Teamleiter*Innen vor, so dass wir jederzeit miteinander kommunizieren können.

Endlich rückt die Pflege in das Blickfeld der politisch Handelnden. Markus Söder, Vorreiter als Krisenmanager und bayerischer Ministerpräsident, hat angeregt, allen in der Pflege Tätigen einen steuerfreien Bonus in Höhe von 500 Euro sowie kostenfreies Essen und Getränke zu gewähren. Das macht Hoffnung für die Zeit, die nach Corona für die Pflege anbrechen wird. Natürlich nicht bezogen auf den Bonus und das freie Essen, sondern Hoffnung für eine bessere Entlohnung, für einen deutlich besseren Personalschlüssel, für eine andere Stellung der Pflege in unserer Gesellschaft (wie auch der anderen bisher wenig wertgeschätzten Berufe, wie der der Verkäufer*Innen, der Friseure*Innen oder der Mitarbeiter*Innen in der Reinigung) und vielleicht auch dafür, dass Altenpflege nicht unter dem Begriff „Krankenpflege“ zu subsumieren ist.

Es gibt aber auch gegenteilige Prozesse.

So hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) für die Länder Berlin und Brandenburg ab dem 2. April 2020 eine Beratungshotline für die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen eingerichtet. Dort sollen 20 Pflegefachkräfte tätig werden. Ziel ist es, Anfragen von Pflegeeinrichtungen in Bezug auf den Umgang mit dem neuartigen Corona-Virus (SARS-Covid-19) - hier insbesondere zum Umgang mit Verdachtsfällen, kontaktreduzierenden Maßnahmen, Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie erforderlichen Isolationsmaßnahmen - kompetent zu beantworten. Das, was wir - die Pflege - jetzt nicht benötigen, ist eine zusätzliche Beratungsstelle. Vor ca. drei Wochen hieß es noch, dass die freigesetzten Fachkräfte des Medizinischen Dienstes die Pflege vor Ort unterstützen oder direkt in der Pflege arbeiten könnten. Wer nun diese glorreiche Idee der zusätzlichen Beratung hatte, der verkennt immer noch den Ernst der Lage und scheint eine gewisse Ahnungslosigkeit von der Situation in den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen zu haben.

Ich bin jeden Tag mächtig stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf alle in der Pflege Tätigen. Sie wissen täglich sehr genau, was zu tun ist und was wir benötigen. Aber - sie werden immer noch zu wenig gehört, geschweige denn gefragt!

Ihr Norbert Fröhndrich

Samstag, 4. April 2020 - Der erste Fall

Am gestrigen Freitag, dem 2. April, stand die Situation im Haus Clara Zetkin auf Messers Schneide! Von 19 Mitarbeiter*Innen auf dem Wohnbereich 3 sollten an diesem Tag die Testergebnisse vorliegen. Anlass dafür war die Infektion einer Bewohnerin mit dem Corona-Virus. Die Bewohnerin war seit Montag im Städtischen Klinikum und dort wurde die Infektion festgestellt. Das sorgte verständlicherweise für Ungewissheit, Sorge und auch Angst unter den Mitarbeiter*Innen - und zwar derart: "Habe ich mich angesteckt und wenn ja, kann ich dadurch meine Familie gefährden, wie muss ich mich verhalten und bin ich selbst gefährdet?".

Unsere Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt ergab, dass dieses absolut keine Notwendigkeit für Tests der Mitarbeiter sah. Nur wenn Symptome vorlägen, dann sei ein Test erforderlich. Symptome traten bei den Mitarbeiter*Innen glücklicherweise nicht auf. Aber das muss ja nichts heißen. Wir als Krisenstab nahmen jedoch die Beklemmungen und Sorgen unserer Kollegen sehr ernst und organisierten Testtermine im MVZ unserer Stadt. Unser Angebot wurde von allen Mitarbeiter*Innen des Wohnbereiches sehr dankbar angenommen. Die Tests fanden am Mittwoch und Donnerstag statt.

Noch in der Sitzung des Krisenstabes am Freitag Vormittag spielten wir einen "Plan B" durch. Wie können wir die Pflege und Versorgung unserer Bewohner dieses „betroffenen“ Wohnbereiches sicherstellen, wenn eventuell mehr als sieben Mitarbeiter infiziert sind und nicht mehr eingesetzt werden dürfen? Ein Szenario, das wir lieber verdrängen würden, aber nicht konnten! Wir spürten, dass wir an unsere Leistungsgrenze stoßen würden. Und das bedeutet: wir wären nicht mehr in der Lage, unsere Bewohner weder halbwegs angemessen zu pflegen noch zu versorgen.

Für uns als langjährig krisenerprobte Branche etwas völlig Unvorstellbares. Was hätte das für Auswirkungen auf unsere Pflegebedürftigen? Auf diejenigen Menschen, die nach dem Krieg das Wirtschaftswunder in Ost und West vollbrachten und den Grundstein für unseren heutigen Wohlstand legten. Sie müssten jetzt erleben, dass unsere Gesellschaft, ihr Land, nicht in der Lage sind, ihren Lebensabend in Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit zu gewährleisten. Helmut Schmidt soll mal formuliert haben, "in der Krise zeige sich der wahre Charakter eines Menschen". Ob dies auch für einen Staat zutrifft? In dieser Situation spürten wir im Krisenstab des SPZ, dass unsere Regierung sicherlich einiges bisher richtig entschieden und umgesetzt hat, dass sie aber an die „Alten“, an die Risikogruppe Nummer Eins, zu spät gedacht hat.

Um 13:45 Uhr erhielten wir den Anruf des Gesundheitsamtes; von den 19 getesteten Mitarbeiter*Innen liegen aktuell 17 Testergebnisse vor … und alle sind negativ! Am liebsten hätten wir uns im Krisenstab jetzt alle umarmt; doch per Videokonferenz ist das etwas schwierig; uns durchströmte eine innere Zufriedenheit, wie man sie wohl nur sehr selten erleben darf.

Natürlich wissen wir, dass weitere angespannte und ungewisse Tage und Wochen noch auf uns warten!

Ihr Norbert Fröhndrich