Expertenwissen

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Umgang mit Beruhigungs- und Schlafmitteln

Schlafstörungen, psychische Verhaltensstörungen (z. B. ständige Unruhe, Aggression, Ängste, Wahnvorstellungen) können betroffene Personen unter einen erheblichen Leidensdruck stellen und die Gesundheit schädigen. Oft sind sie im Alter Begleitsymptome anderer Erkrankungen wie z. B. Demenz, Herz-Kreislaufschädigungen oder Stoffwechselstörungen.

Diese sollten zuerst mit einer verstehenden Diagnostik, unter Berücksichtigung der Faktoren der Umwelt- und sozialen Beziehungen, mit nicht-medikamentösen Verfahren behandelt werden.

Wann sollten Medikamente zur Symptombehandlung eingenommen werden?

Medikamente sollten zuerst mit einer verstehenden Diagnostik, unter Berücksichtigung der Faktoren der Umweltbeziehungen und sozialen Beziehungen, mit nichtmedikamentösen Verfahren behandelt werden.

Medikamente zur Behandlung dieser Symptome (= psychotrope Substanzen) sollten in der Regel erst dann zum Einsatz kommen, wenn Alternativmethoden nicht oder unzureichend wirken.

Was gilt bei verordneten Medikamenten?

1. Medikamente sind sinnvoll. Man muss sie nur richtig einnehmen:

  • nach Vorgabe und Absprache mit dem Arzt (dieser hat die Verpflichtung zur Aushändigung eines Medikationsplanes)
  • nicht selber höher oder niedriger dosieren
  • nicht selbständig absetzten

2. Aber alle Medikamente, die wirken, haben auch Nebenwirkungen.
Dieses sind nicht gewollte Wirkungen des Medikamentes wie z.B. Schwindel, Stürze, Verwirrtheit, Kopfschmerz usw. und können zu Gesundheitsschädigungen führen.

3. Manche Medikamente besonders im Bereich der Beruhigungs- und Schlafmittel können abhängig machen.

4. Besonders im Alter wirken Medikamente anders, mit gravierenden Nebenwirkungen. Hier sollte besonders beim Einsatz psychotroper Substanzen der Nutzen zu den Risiken sorgfältig abgewogen werden.

5. Im Alter sollte niedriger dosiert und auf eine Polypharmazie (mehr als 5 Medikamente) möglichst verzichtet werden, um Arzneimittelwechselwirkungen/-Interaktionen zu vermeiden (ab 5 Medikamente verdoppelt sich das Nebenwirkungsrisiko ab 7-8 verdreifacht es sich).[1]

 

[1]Prof. R. Radzewilli ( 2012) https://www.dgem.de/sites/default/files/PDFs/Veranstaltungen/Ernaehrung2012/2012-06-16-Radziwill-Polypharmazie.pdf ( 05.05.2020)

Wie wirken Beruhigungsmittel?

Diese wirken auf Nerven und das Gehirn. Sie können Muskeln entspannen, Gefühle wie Ängste mildern und beruhigend wirken. Diese sollten im Altern nur sehr niedrig dosiert zum Einsatz kommen.

Nebenwirkung dieser Medikamente sind oft:
Müdigkeit,Konzentrationsstörungen, stark anhaltende Sedierung, Sturzgefahr, Störungen der Bewegungsabläufe, Verwirrtheit, Erhöhung der Thrombosegefahr in Kombination mit anderen Medikamenten, Übelkeit, Erbrechen.

Hierbei sollten insbesondere die sogenannten langwirksamen Benzodiazepine mit den Wirkstoffen Nitrazepam, Diazepam und Flurazepam möglichst vermieden werden.

Wie wirken Schlafmitteln?

Schlafmittel helfen bei Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Sie werden unterschieden in starkwirksame Mittel (Benzodiazepine, Nicht- Benzodiazipine wie Zoplicon oder Zoplidem sowie Antidepressiva z. B. Mirtazapin) und in schwache Schlafmittel (wie Allergiemittel= Antihistaminika oder pflanzliche Mittel wie z.B. Baldirian, Melisse[1] ).

Schlafmittel wirken oft nur kurz und nach längerer Einnahme weniger oder gar nicht. Bei langfristiger Einnahme kann die Qualität des Schlafes abnehmen.

Nebenwirkungen dieser Medikamente sind oft:
Denken und Aufpassen ist schwierig, die Merkfähigkeit nimmt ab, Unruhe, Schwindel sowie ein hohes Potenzial der Abhängigkeit.

Aufgrund der hohen Suchtgefahr sollten Schlafmittel nicht länger als drei Wochen eingenommen werden. Zu den Wirkstoffen dieser Gruppe zählen z. B.: Oxazepam, Diazepam oder Zolpidern und Zopiclon.

 Sollten Schlafmittel über einen längeren Zeitraum eingenommen worden sein, so kann man dies nicht abrupt absetzen. Hierbei wird durch eine langsame Reduzierung eine langsame Entwöhnung eingeleitet, die immer durch den behandelnden Arzt überwacht und angeordnet wird.

Tipp: Seit 2010 wird die sogenannte PRICSCUS-Liste erarbeitet. Hier werden Arzneimittel aufgelistet die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind und unerwünschte Arzneimittelereignisse hervorrufen.

Die Liste führt die wesentlichen Bedenken und mögliche Alternativen hierzu. Sie kann unter www.priscus.net abgerufen werden.[2]

[1] Dr. E.Mayer-Fally, https://www.netdoktor.at/therapie/schlafmittel-8777( 05.05.2020)

[2] Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen e.V. (MDS) Hrsg. (2019): Grundsatzstellungnahme. Menschen mit Demenz- Begleitung, Pflege und Therapie, Essen: 

https://www.mds-ev.de/uploads/media/downloads/_19-12-04_MDS_GS_Menschen_mit_Demenz_12-2019_BF.pdf( 05.05.2020)


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